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Kultur ade - Rosenau macht Schluss

Seit Ewigkeiten beklagen sich die Kulturmacher darüber, dass Stadt und Land die Zuschüsse ungerecht verteilen. Johannes Zeller von der Rosenau sorgt jetzt für eine neue Runde in diesem Streit: Er beantragt 250.000 Mark Förderung. Kulturamtsleiter Wolfgang Ostberg ließ verlauten: keine Chance. Die Konsequenz: Das Kulturprogramm der Rosenau wird Ende Januar eingestellt. Zeller: „Ich bin finanziell erschöpft“. Zeller will Verwaltung und Gemeinderat zum Umdenken zwingen, denn in der Tat sind die Förderrichtlinien bei der Stadt ungerecht: Da die Rosenau auch als Restaurant dient und betriebswirtschaftlich geführt wird, ist sie ein kommerzieller Kulturbetrieb und hat kein Recht auf Förderung. Zeller fordert die Stadt auf, „endlich Entscheidungen zu fällen, die seit Jahren anstehen“.
Im Theatergutachten dieses Jahres wird die Rosenau mit den Stella-Musicals gleichgestellt. „Das ist schon absurd, aber abgesehen davon: Die versteckten Subventionen für die Musicals und das Varieté sind ja bekannt.“ Er fordert Gleichbehandlung, denn die Konkurrenz seines Literatur- und Kleinkunst- Programms wird subventioniert: sei es das Theaterhaus oder der städtische Treffpunkt Rotebühlplatz. Die Rotebühlchefin Kirsten Kurz ist da ganz anderer Meinung: “Wir veranstalten nur die Künstler, die sich sonst niemand leisten kann, weil sie noch unbekannt sind.“
Zeller denkt jetzt über juristische Tricks nach: Öffentliche Kultureinrichtungen nennen in der Regel einen Trägerverein ihr Eigen, der in den meisten Fällen die Gastro im Haus verpachtet. Er führt die städtische Kulturförderung ad absurdum: „Dann mach ichs umgekehrt. Ich bin Pächter und suche mir einen Verein.“
An die Kulturverwaltung richtet er Vorwürfe:“ Die Stadt ist viel zu langsam.“ Den Fall Rosenau wiederum haben die kulturpolitischen Sprecher der Gemeinderatsfraktionen zum Anlass genommen, die Richtlinien grundsätzlich mit dem Kulturamt neu zu besprechen. Diskussionsstoff gibt’s genug, der grüne Kulturpolitiker Michael Kienzle: „Kultur muß da unterstützt werden, wo sie stattfindet.“ Die Beteiligten wissen durchaus, dass sie damit eine Lawine lostreten, denn dadurch würden die bisher aufgeteilten Erbhöfe neu geordnet- was nicht jedem Kulturmacher schmecken wird.

Solidarität mit der Rosenau: ein Abend mit Uli Keuler, Christoph Sonntag, Michael Gaedt, 19.11., 19 Uhr, Rosenau, S- West
ABRA

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